Was ist ein Inkassounternehmen?
Ein Inkassounternehmen wird von einem Gläubiger beauftragt, eine offene Forderung einzutreiben — oder es hat die Forderung direkt aufgekauft. Im zweiten Fall ist das Inkassounternehmen selbst Gläubiger. In Deutschland tätige Inkassounternehmen müssen beim Rechtsdienstleistungsregister eingetragen sein.
Bekannte Inkassounternehmen in Deutschland sind unter anderem Lowell, Intrum, EOS, Creditreform, PAIR Finance und Coeo Inkasso.
Welche Art von Schreiben haben Sie erhalten?
Nicht jeder Brief vom Inkasso hat die gleiche rechtliche Bedeutung. Unterscheiden Sie:
- Zahlungsaufforderung / Mahnung — eine Aufforderung zur Zahlung ohne unmittelbaren rechtlichen Druck
- Forderungsschreiben mit Fristsetzung — die Frist ist wichtig, aber noch kein Gerichtsverfahren
- Ankündigung eines gerichtlichen Mahnverfahrens — eine ernstere Warnung, dass ein Mahnbescheid beantragt werden könnte
- Mahnbescheid — ein offizielles Dokument des Amtsgerichts, das eine Reaktion innerhalb von 14 Tagen erfordert
Die Dringlichkeit Ihrer Reaktion hängt davon ab, welches Schreiben Sie erhalten haben.
Die ersten fünf Dinge, die Sie prüfen sollten
1. Ist die Forderung tatsächlich berechtigt?
Prüfen Sie, ob die Forderung auf einem echten Vertragsverhältnis basiert. Haben Sie den genannten Vertrag tatsächlich abgeschlossen? Stimmen Kontonummer, Vertragspartner und Datum mit Ihren Unterlagen überein?
2. Ist die Forderung möglicherweise verjährt?
In Deutschland verjähren die meisten Geldforderungen nach drei Jahren — gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist. Eine verjährte Forderung können Sie zurückweisen, ohne dass der Gläubiger gerichtlich dagegen vorgehen kann.
3. Ist der geforderte Betrag korrekt?
Inkassounternehmen dürfen Inkassogebühren auf die Hauptforderung aufschlagen — diese müssen jedoch angemessen sein und den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Prüfen Sie, ob der Betrag nachvollziehbar aufgeschlüsselt ist. Sie haben das Recht, eine vollständige Forderungsaufstellung zu verlangen.
4. Ist das Inkassounternehmen legitimiert?
Das Inkassounternehmen muss entweder eine Vollmacht des ursprünglichen Gläubigers nachweisen oder belegen, dass es die Forderung rechtswirksam erworben hat. Sie können diese Nachweise schriftlich anfordern.
5. Haben Sie bereits bezahlt oder eine Einigung erzielt?
Wenn Sie die Forderung bereits beglichen haben oder eine anderweitige Einigung besteht, sollten Sie Belege zusammenstellen und dem Inkassounternehmen schriftlich mitteilen, dass keine offene Forderung mehr besteht.
Nicht sicher, was Ihr Inkassoschreiben bedeutet?
Sie müssen nicht sofort entscheiden. Laden Sie das Dokument hoch und erhalten Sie eine verständliche Ersteinschätzung — kostenlos, ohne Zahlungspflicht.
Schreiben kostenlos prüfen →Wie sollten Sie reagieren?
Antworten Sie immer schriftlich — per Brief mit Zustellnachweis oder per E-Mail, wenn das Inkassounternehmen eine E-Mail-Adresse angegeben hat. Telefonische Aussagen sind schwer nachzuweisen und können zu Missverständnissen führen.
- Forderung schriftlich bestätigen oder bestreiten — nicht telefonisch
- Vollständige Forderungsaufstellung anfordern, falls nicht vorhanden
- Verjährung prüfen, bevor Sie zahlen oder antworten
- Alle Schreiben und Ihre Antworten aufbewahren
- Einen Mahnbescheid innerhalb von 14 Tagen Widerspruch einlegen
Wenn das Inkassounternehmen unzulässig vorgeht
Inkassounternehmen in Deutschland unterliegen strengen Regelungen. Unzulässige Druckausübung, irreführende Schreiben oder überhöhte Gebühren können Sie bei der zuständigen Aufsichtsbehörde melden. Die Verbraucherzentrale bietet kostenlose Beratung und Muster-Widerspruchsschreiben an.
Hinweis zu diesem Ratgeber
Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen zum Thema Inkassobriefe in Deutschland. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Bei komplexen Sachverhalten oder größeren Forderungen empfehlen wir die Beratung durch einen Rechtsanwalt oder die Verbraucherzentrale.